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Morbus Parkinson

Behandlung

Trotz intensiver Forschungsarbeit steht noch immer keine Behandlung zur Verfügung, die den Beginn eines Morbus Parkinson morbus parkinson (PD) bzw. die Progredienz nach klinischer Manifestation zuverlässig verhindert oder die degenerative Entwicklung umkehrt. Es lassen sich aber vielversprechende Möglichkeiten erkennen, die in naher Zukunft Realität werden könnten.

Die Behandlung von PD hat sich in den letzten Jahren zwar verändert, die Grundpfeiler sind aber weiterhin:

  • Pharmakologische Behandlung der Symptome von PD (siehe Tabelle 6)
  • Pharmakologische und, in refraktären Fällen, chirurgische Behandlung der Komplikationen einer symptomatischen Behandlung
  • Pharmakologische Behandlung der nicht motorischen Komplikationen und Komorbiditäten von PD
  • Praktische, psychologische und soziale Unterstützung von PD-Patienten und deren Betreuern

Zwar war der Forschung zur Verbesserung der Wirksamkeit und zur Begrenzung bzw. Verhinderung der negativen Folgen einer chronischen Behandlung in den letzten Jahren ein gewisser Erfolg beschieden, doch das ideale Mittel, mit dem die degenerative Entwicklung von PD aufgehalten oder gar umgekehrt werden kann, ist immer noch nicht gefunden. Ein kürzlich veröffentlichter Überblick über die PD-Behandlung (Goetz et al., 2002) ergab keine überzeugenden Hinweise auf neuroprotektive Eigenschaften der gegenwärtigen Behandlungen (siehe Tabelle 7).

Aus diesem Grund sind die Behandlungsziele – falls möglich – eine Begrenzung der Auswirkungen der motorischen PD-Symptome und die Verhinderung von Komplikationen der chronischen symptomatischen Behandlung. Das übergeordnete Ziel ist aber immer, die Lebensqualität eines PD-Patienten so lange wie irgend möglich zu erhalten.

Das Erreichen dieser Ziele verlangt eine Gratwanderung, wobei wichtige Entscheidungen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen, insbesondere:

  • Wann soll die aktive Behandlung beginnen?
  • Welche Mittel können in welchem Stadium der Krankheit zum Einsatz kommen?
  • Wann muss, wenn überhaupt, auf radikale Verfahren zurückgegriffen werden?

Um die Behandlungsergebnisse zu optimieren, ist die aktive Beteiligung des PD-Patienten und seiner Betreuer an wichtigen Therapieentscheidungen bei der klinischen Behandlung von PD von entscheidender Bedeutung. Demzufolge muss zu allererst das Vertrauen des Patienten gewonnen und ein gutes Verhältnis zu ihm aufgebaut werden, wobei der Patient wiederum die Bedeutung seiner eigenen Beurteilung der Auswirkungen von Behandlung und PD verstehen muss. Die Aufklärung des Patienten spielt also eine wesentliche Rolle, wobei es dem Arzt obliegt, die erforderlichen Informationen bzw. Informationsquellen bereitzustellen.

Beginn der aktiven Behandlung

Der Beginn der aktiven Behandlung ist genauso entscheidend wie jede andere therapeutische Entscheidung, die im Laufe der Behandlung eines PD-Patienten gefällt wird. Ob eine aktive Behandlung eingeleitet werden soll oder nicht, ist individuell verschieden und hängt von den jeweiligen Umständen, wie Alter und Arbeitsverhältnissen, ab. Genauso wichtig ist in diesem Stadium wie auch im Laufe der gesamten Behandlung, dass der Patient persönlich an allen Entscheidungen beteiligt ist und die Vor- und Nachteile, aber auch die Unsicherheit bei Diagnose und langfristiger Prognose versteht.

Die Behandlung des jeweiligen Patienten hängt häufig mehr von einer klinischen Beurteilung als von den Ergebnissen klinischer Tests ab. Eine Unterscheidung in Abhängigkeit von der Altersgruppe wird zwar häufig empfohlen, dabei ist es jedoch wichtiger, das physiologische Alter anstatt des kalendarischen Alters des Patienten zu berücksichtigen.

Es liegen keine überzeugenden Beweise dafür vor, dass eine frühe Behandlung, gleichgültig mit welchem Medikament, die Progredienz von PD verlangsamt. Nur wenige Hinweise deuten darauf hin, dass eine Behandlung von Nutzen ist, wenn die Symptome noch keine wesentlichen Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität des PD-Patienten haben. So lange keine gegenteiligen Beweise vorliegen, soIlte eine frühe PD wahrscheinlich am besten unbehandelt bleiben, aber regelmäßig untersucht werden.

Früher oder später beeinträchtigt PD unausweichlich die Funktionsfähigkeit, was eine symptomatische Behandlung verlangt.

Medikamentöse Behandlung

Levodopa ist auf Dauer immer noch das Mittel der Wahl bei der Behandlung von PD. Es handelt sich hierbei im Wesentlichen um ein Pro-Drug, das selbst inaktiv ist, aber nach Durchdringen der Blut-Hirn-Schranke zu Dopamin verstoffwechselt wird. Da diese Verstoffwechselung jedoch sehr schnell in der Peripherie stattfindet (First-Pass-Effekt), ist die Menge Levodopa, die das Zentralnervensystem erreicht, deutlich verringert (siehe Abb. 2). Dies und die kurze Halbwertzeit von 60-90 Minuten erschweren eine relativ gleichbleibende, physiologische Versorgung des Corpus striatum mit Dopamin.

Abb. 2: Diagramm des Levodopa-Stoffwechsels, sowohl peripher als auch im Zentralnervensystem.

Zum Ausgleich der Spitzenwerte, die bei Wiederholungsdosen von Levodopa unvermeidbar sind, stehen drei grundlegende Ansätze zur Verfügung:

  1. Unterdrückung eines der beiden Stoffwechselwege, peripher oder zentral
  2. Verwendung einer Levodopa-Retardform
  3. Verwendung geringerer Teildosen Aus diesem Ansatz können jedoch, wenn die Gesamttagesdosis nicht erhöht wird, subtherapeutische Dosen und ein Dosierschema resultieren, dass zu Non-Compliance führen kann.

Levodopa durchdringt die Darmwand über das Transportsystem aromatischer oder verzweigtkettiger L-Aminosäuren, wonach es in der Peripherie fast vollständig decarboxyliert wird, sodass nur eine sehr geringe Menge die zerebrale Zirkulation erreicht. Man geht davon aus, dass schätzungsweise nur 1 % tatsächlich durch die Blut-Hirn-Schranke in das Corpus striatum gelangt. Folglich wird Levodopa zusammen mit einem peripheren Decarboxylasehemmer, wie Benserazid oder Carbidopa, gegeben, der die periphere Dopa-Decarboxylase hemmt und so die Menge Levodopa erhöht, die durch die Blut-Hirn-Schranke dringt.

Der Decarboxylasehemmer bringt zwar mehr Levodopa in Umlauf, der Hauptanteil wird aber weiterhin in der Peripherie (First-Pass-Effekt) über den Catechol-O-methyltransferase (COMT)-Weg abgebaut (siehe Abb. 2).

Levodopa ist, wie gesagt, immer noch das wirksamste Behandlungsmittel zur Beherrschung der motorischen PD-Symptome; bei allen Patienten besteht jedoch auf Dauer das Risiko von Komplikationen. Deswegen sollten Patienten mit PD mit frühem Beginn (EOPD), bei denen ein besonders hohes Risiko von Wirkungsfluktuationen besteht (91 % nach 5 Jahren, 100 % nach 10 Jahren), einen Dopaminagonisten erhalten. Nachstehend sind außerdem andere Möglichkeiten mehr oder weniger in der bevorzugten Reihenfolge angeführt (siehe Tabelle 7). Die Behandlung von juvenilen Patienten sollte nicht mit Levodopa beginnen.

Andere Mittel zur Behandlung von PD:

  • Dopaminagonisten
  • Monoaminoxidase-B (MAO-B)-Hemmer
  • Amantidin
  • Anticholinergika (bei vorherrschendem Tremor tremor)
  • COMT-Hemmer

Dopaminagonisten
Dopaminagonisten wirken direkt an den Dopaminrezeptoren im Corpus striatum, sodass eine Verstoffwechselung oder Speicherung unnötig ist. Sie sind nach Levodopa die wirksamste Behandlungsform für PD und werden wahrscheinlich in den meisten Fällen zu Beginn der Behandlung bevorzugt eingesetzt. Derzeit stehen sechs Mittel zur Verfügung:

  • Bromocriptin
  • Cabergolin
  • Lisurid
  • Pergolid
  • Pramipexol
  • Ropinirol

Studien zum jüngsten Mittel, Ropinirol, liefern überzeugende Beweise für die Verwendung von Dopaminagonisten als Mittel der ersten Wahl bei PD-Patienten. In einer dreijährigen Vergleichsstudie mit Ropinirol und Bromocriptin (Korczyn et al., 1999) beendeten 60 % bzw. 55 % der Patienten die Studie nur mit dem Agonisten, wobei nur jeweils 3 % in jeder Gruppe Dyskinesien entwickelten. Die Ropinirol-Gruppe zeigte am Ende der Studie bessere Ergebnisse bei den Scores des Motor and Activities of Daily Living-Tests. Diese Studien zeigen, dass eine Monotherapie mit einem Dopaminagonisten im Frühstadium von PD praktisch, sicher und wirksam ist und als die beste Behandlungswahl ernsthaft in Erwägung gezogen werden sollte.

Die Vorteile der Dopaminagonisten ergeben sich wahrscheinlich aus ihrem kinetischen Profil mit einer typischen Halbwertzeit, die 4- bis 5-mal länger ist als die von Levodopa, was zu einer einheitlicheren Stimulierung der striatalen Rezeptoren führt. Dopaminagonisten haben sich auch bei der Begleittherapie im Spätstadium von PD als erfolgreich erwiesen, da die erforderliche Levodopa-Dosis gesenkt werden kann, die "On"-Zeit verlängert wird und Dyskinesien gemindert werden. Ob eine Kombinationstherapie mit niedrig dosiertem Levodopa und einem Dopaminagonisten den Beginn von Behandlungskomplikationen weiter verzögern kann, steht jedoch noch nicht fest.

Es sei auch bemerkt, dass subkutan oder mittels Infusionspumpe verabreichtes Apomorphin zur Behandlung plötzlicher "Offs" insbesondere im Spätstadium der Krankheit verwendet werden kann. Apomorphin ist jedoch nicht bei der initialen Therapie zu empfehlen.

Monoaminoxidase-B-Hemmer
Diese Medikamente verbessern die Dopaminversorgung, indem sie die Aktivität dieses Stoffwechselwegs hemmen. Das am gründlichsten untersuchte und am weitesten verbreitete Medikament dieser Klasse ist Selegilin. Es gibt zwar einige Anzeichen dafür, dass Selegilin eine neuroprotektive Wirkung hat, klinisch konnte dies jedoch nicht bestätigt werden.

Folglich ist der Einsatz von Selegilin als Monotherapie – wie Amantadin – auf jüngere Patienten im Frühstadium der Krankheit ohne funktionshemmende Symptome beschränkt. Hohe Dosen (>30 mg/Tag) müssen vermieden werden, da eine MAO-A-Folgehemmung Wechselwirkungen mit der Nahrung und eine hypertensive Krise ("Tyramin-Effekt") hervorrufen kann. Die empfohlene Standarddosis liegt bei 5–10 mg/Tag und wird bevorzugt morgens eingenommen, um Schlafstörungen schlafstörungen zu vermeiden.

MAO-B-Hemmer sind als Begleittherapie in Verbindung mit Levodopa nützlich, da sie die umfassende periphere Verstoffwechselung von Levodopa wirksam hemmen und somit eine therapeutische Wirkung mit niedrigeren Levodopa-Dosen ermöglichen.

Amantadin
Der Wirkmechanismus in Verbindung mit Parkinson von Amantadin, das auch eine antivirale Aktivität aufweist, ist noch unbekannt. Es hat jedoch bekannte anticholinerge Eigenschaften und Berichte lassen vermuten, dass es Dopamin aus zentralen Neuronen neuronen freisetzt, die Dopaminaufnahme durch Nervenzellen verzögert und NMDA-Rezeptoren blockiert.

Bei Patienten mit milden PD-Symptomen kann Amantadin alleine die Symptome lindern, es gilt auch als gute Begleittherapie zu Levodopa im Spätstadium der Krankheit. Die Wirkung ist mäßig, die Kardinalsymptome werden jedoch unterdrückt und Dyskinesien verringert.

Anticholinergika
PD führt auf Grund der abnehmenden Dopaminversorgung zu einem Ungleichgewicht zwischen Acetylcholin und Dopamin im Corpus striatum. Anticholinergika (die vor Levodopa in der Regel Mittel der Wahl waren) können das Gleichgewicht bis zu einem gewissen Maß wiederherstellen und die Symptome von PD, insbesondere den Tremor, mildern. Einige Patienten zeigen jedoch stark schwankende Reaktionen auf eine anticholinerge Therapie. Anticholinergika sollten bei älteren Patienten auf Grund der Nebenwirkungen, insbesondere Verwirrtheit und andere kognitive Symptome, vermieden werden.

Catechol-O-methyltransferase-Hemmer
Die COMT-Hemmer Tolcapon (periphere und zentrale Hemmung) und Entacapon (periphere Hemmung) wurden zur Verlängerung der Halbwertzeit von Levodopa verwendet. Tolcapon wurde inzwischen auf Grund seiner Lebertoxizität in den meisten Ländern vom Markt genommen, ist aber in einigen Ländern für namentlich benannte Patienten verfügbar. COMT-Hemmer sind als Monotherapie wirkungslos und sollten nur in Kombination mit Levodopa zur Herabsetzung der erforderlichen Levodopa-Dosis, zur Verkürzung von "Off"-Zeiten und zur Verbesserung motorischer Symptome verwendet werden.

Ein zweiter Ansatz zur Verlängerung der Wirkdauer von Levodopa ist die Entwicklung von Retardformen mit Levodopa und Dopa-Decarboxylase. In einer 5-jährigen Vergleichsstudie hat sich die Retardform als genauso sicher und wirksam erwiesen wie die Standardformulierung (Koller et al., 1999). Bei den Activities of Daily Living Scores der UPDRS schnitt die Retardform besser ab.

Fortgesetzte Behandlung

Nach Beginn der Behandlung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen erforderlich, um die Therapie optimal einzustellen. Zahlreiche PD-Patienten sind in der Lage, ihre Therapie selbst so anzupassen, dass diese der jeweiligen Situation am besten gerecht wird. Wann immer möglich sollte der Patient zu dieser Beteiligung an der Behandlung angehalten werden.

Komplikationen während der Behandlung

Angesichts der unaufhaltsamen Progression von PD ist das Auftreten von Komplikationen unvermeidlich. Dazu gehören:

  • Wirkungsfluktuationen, einschließlich dosisbezogener "Wearing-off"- und "On/Off"-Fluktuationen
  • Orthostatische Hypotension
  • Gastrointestinale Probleme
  • Dyskinesien
  • Versagen des Medikaments
  • Freezing
  • Haltungsinstabilität
  • Gangstörungen

Wirkungsfluktuationen
dosisbezogen
Wirkungsfluktuationen von Levodopa können verschiedene pharmakokinetische und pharmakodynamische Ursachen haben. Dazu gehören Faktoren, die das Entleeren des Magens beeinflussen, wie Säuregehalt, Anticholinergika und Nahrung. Auch mit der Behandlung in Verbindung stehende Veränderungen des Zentralnervensystems können die Pharmakodynamik von Levodopa beeinflussen. Hierbei können Faktoren wie eine geringere striatale Speicherung von Dopamin, die Schädigung dopaminerger Neuronen durch toxische Nebenprodukte des Dopaminstoffwechsels oder veränderte Dopaminrezeptoren eine Rolle spielen.

"Wearing-off" Diese am häufigsten auftretende Wirkungsschwankung manifestiert sich in einem Nachlassen der Wirkung nach jeder Levodopa-Dosis. "Wearing-off" ist ein regelmäßig auftretendes, vorhersagbares Phänomen, das mit der Degeneration des nigrostriatalen Systems zusammenhängt und das Ausmaß des Verlustes im nigrostriatalen Dopaminsystem widerspiegelt.

"On/Off" Im Laufe der Zeit können die relativ vorhersagbaren "Wearing-off"-Fluktuationen mit zunehmender neuronaler Degeneration durch das plötzlich und unvorhersehbare auftretende "On/Off"-Phänomen, einem abrupten, nicht vorhersagbaren Wechsel zwischen den Stadien "On" und "Off" mit begleitenden Dyskinesien, abgelöst werden. In diesen Phasen können PD-Patienten sensorische, psychiatrische oder vegetative Symptome zeigen. Zu den Beschwerden gehören Schmerzen, Parästhesien, Schwitzen, Verstopfung oder Kurzatmigkeit, im Allgemeinen während der "Off"-Phasen. "On/Off"-Fluktuationen scheinen mit einer niedrigen Dyskinesieschwelle in Zusammenhang zu stehen.

Der Umgang mit motorischen Fluktuationen kann ein sorgfältiges Abstimmen von Dosierschema, Dosierung und Medikamenten verlangen. Ziel der Behandlung ist eine Maximierung der Wirkung, ohne dabei jedoch über das Ziel hinauszuschießen – ein nicht einfaches Unterfangen.

Wenn die Halbwertzeit bei diesen Fluktuationen eine Rolle spielt, können sie mit Hilfe einer begleitenden Therapie mit einem Dopaminagonisten unter Kontrolle gebracht werden. Die Einstellung der relativen Dosierung von Agonist und Levodopa sollte eine optimale Wirkung bei akzeptabler Verträglichkeit ermöglichen. COMT-Hemmer bzw. Selegilin können sich bei der Unterdrückung von "Wearing-off"-Effekten ebenfalls als nützlich erweisen.

Orthostatische Hypotension
Eine orthostatische Hypotension ist ein häufig auftretendes Phänomen bei PD, dessen Ursache die Krankheit, die Behandlung oder beides sein kann. Die meisten Anti-Parkinson-Medikamente können das Problem zwar verursachen bzw. verschlimmern, doch die wahrscheinlichste Ursache einer orthostatischen Hypotension sind Dopaminagonisten. Wenn der typische Schwindel beim Aufstehen oder Stehen nur leicht ist, ist das Problem dadurch in den Griff zu bekommen, dass man plötzliche Haltungsänderungen in den aufrechten Zustand vermeidet und immer für eine Stütze sorgt.

Ist das Problem jedoch schwerwiegend, kann ein Arzneimittel zum Anheben des Blutdrucks eingesetzt werden, was jedoch bei älteren PD-Patienten problematische Nebenwirkungen wie Ödeme, Symptome einer Herzinsuffizienz oder Hypertension in Rückenlage hervorrufen kann. Der periphere Dopaminblocker Domperidon hat offenbar eine positive Wirkung auf die orthostatische Hypotension von PD-Patienten.

Gastrointestinale Probleme
Verstopfung auf Grund einer herabgesetzten Darmperistaltik infolge der vegetativen Störung ist eine häufige Beschwerde von PD-Patienten. Dies kann durch die meisten Anti-Parkinson-Medikamente, aber auch durch einen geringen Ballaststoffanteil in der Nahrung, unzureichende Flüssigkeitsaufnahme und fehlende körperliche Bewegung verschlimmert werden. Entsprechende Gegenmaßnahmen können bereits zu einer Linderung führen. Außerdem können Ballaststoffe, Abführmittel (z. B. Docusate) oder in schweren Fällen ein Einlauf sowie Mittel, die das Entleeren des Magens fördern, erwogen werden.

Übelkeit ist eine unerwünschte Wirkung aller dopaminergen Mittel. Hier kann die Einnahme von Levodopa in Verbindung mit einer Mahlzeit Abhilfe schaffen, aber auch zu einem Versagen des Medikaments führen, wenn die Resorption zu sehr herabgesetzt wird. Domperidon hat sich bei PD-Patienten auch gegen Übelkeit als sehr wirksam erwiesen.

Dyskinesien
Dyskinesien bei PD betreffen entweder unwillkürliche Bewegungen (Dystonie) oder Schwierigkeiten mit willkürlichen Bewegungen. Dyskinesien sind bei PD häufig und können mit einer unzureichenden Behandlung oder der Krankheit selbst in Verbindung stehen. Dyskinesien treten normalerweise gleichzeitig mit den Spitzenwerten im kinetischen Profil von Levodopa auf, gelegentlich aber auch zwischen der "On"- und "Off"-Phase bei Wirkungsfluktuationen.

Durch Levodopa induzierte Dyskinesien können in drei Hauptklassen unterteilt werden:

  • "On"-Dyskinesien: mit dystonen Bewegungen, choreatisch
  • "Off"-Dyskinesien: dystone Haltung, insbesondere der Füße
  • Biphasische Dyskinesien: häufigste Manifestation in Form eines Dyskinesiemusters sowohl zu Beginn als auch am Ende des Levodopa-Dosisintervalls.

Dyskinesien können durch eine geringfügige Senkung der Levodopa-Dosis und die zusätzliche Gabe eines Dopaminagonisten zur Erhaltung der Bewegungssteuerung gebessert werden. Auch Amantadin kann bei der Minderung von Dyskinesien und Bewegungsfluktuationen nützlich sein. Biphasische Dyskinesien können mit sehr kleinen Dosisintervallen behandelt werden, die in einigen Fällen nur mit Hilfe von (selbst gemachten) flüssigen Levodopa-Präparaten oder der Infusion von Levodopa oder Dopaminagonisten, wie Lisurid und Apomorphin, erreicht werden. Auch ein operativer Eingriff (Globus pallidus und subthalamischer Nukleus) kann sich als erfolgreich erweisen.

Versagen des Medikaments
Dieses Phänomen tritt in der Regel gegen Nachmittag oder Abend auf. Das Versagen von Levodopa kann auf ein verzögertes Entleeren des Magens oder eine unzureichende Resorption zurückzuführen sein. Hier helfen Mittel, die die gastrische Motilität verbessern, oder eine Umstellung der Nahrung.

Freezing
Diese Art der Akinesie tritt in der "On"-Phase, häufiger jedoch in der "Off"-Phase auf. Es handelt sich hierbei um Schwierigkeiten bei der Ganginitiierung oder eine plötzliche Bewegungslosigkeit beim Gehen oder Ausführen einer Aufgabe. Die Ursache ist unbekannt. Da gelegentlich jedoch optische Stimuli Mitauslöser sind, könnte es sich um eine Funktionsstörung der striatale Schleife des peripheren Blickfelds handeln. Freezing wird offenbar durch Stress verschlimmert. Hier ist eine Behandlung mit Apomorphin erfolgreich. Außerdem liegen Anzeichen dafür vor, dass Amantadin dieses Phänomen bei PD-Patienten wirksam lindert.

Haltungsinstabilität
Instabilität ist eines der gemeinsamen Merkmale einer fortgeschrittenen PD und kann nicht durch Levodopa gebessert werden. Levodopa hilft vielmehr dem Patienten zu gehen, der somit einen Sturz riskiert. Wirksame Gegenmaßnahmen für Haltungsinstabilitäten gibt es nicht; mobile Risikopatienten sollten einen Gehbock oder eine andere Gehhilfe erhalten, um das Risiko zu minimieren.

Gangstörungen
Ein häufiges Merkmal von PD ist ein langsamer, schlurfender Gang. Das Problem entsteht auf Grund einer Asymmetrie beim Gehen, wobei der PD-Patient sein Gewicht regelmäßig von einer Seite auf die andere verlagert. Außerdem können Schwierigkeiten bei der Ganginitiierung (anfängliches Zögern) und bei Patienten mit Haltungsinstabilität ein erhöhtes Sturzrisiko auftreten. Eine optimale medikamentöse Einstellung ist hier von größter Bedeutung. Der PD-Patient kann aber auch in der Krankengymnastik Techniken lernen, mit deren Hilfe die Gewichtsverlagerung und die Initiierungsprobleme unter Kontrolle gebracht werden, sodass die Störung weniger behindernd ist.

Nichtmedikamentöse Behandlung

Nichtmedikamentöse Interventionen können Fähigkeitsstörungen verringern und die Lebensqualität von PD-Patienten und deren Betreuern verbessern. Diese Interventionen sind vorzugsweise Teil eines integrierten Behandlungsprogramms eines Teams aus mehreren Spezialisten:

  • Physiotherapeut: Maximierung der Funktionsfähigkeit und Minimierung sekundärer Komplikationen über die Rehabilitation der Motorik
  • Beschäftigungstherapeut: Erhaltung eines optimalen Ausmaßes an Eigenversorgung, Arbeit und Freizeitaktivitäten, so lange dies möglich ist
  • Logopäde: Unterstützung bei Sprechstörungen oder Dysarthrie und Dysphagie auf Grund der gestörten Muskelsteuerung
  • Kontinenzschwester: Bei der Harninkontinenz fortgeschrittener PD
  • Diätetiker: Minimierung des oft bei PD beobachteten Gewichtsverlusts
  • Psychologe: Unterstützung bei der Beurteilung der krankheits- oder medikamentenbedingten psychiatrischen Symptome
  • Fachpflegekraft für PD-Patienten: Koordination der Pflege und wichtiges Bindeglied zwischen Patient, Pfleger/Angehörigen sowie Betreuung durch Haus- und Facharzt

Operativer Eingriff
Die offensichtlichen Grenzen einer medikamentösen Langzeit-Behandlung von PD, die jüngsten Fortschritte bei Operationstechniken und ein besseres Verständnis der funktionalen Anatomie des Zentralnervensystems führten dazu, bei schweren Beeinträchtigungen durch refraktäre Symptome operative Eingriffe vorzunehmen. Einige Beispiele für derartige Interventionen:

  • Pallidotomie – erfolgreich bei Bewegungsfluktuationen und mäßig hilfreich bei Tremor, "On/Off"-Problemen und Dyskinesien, aber kaum wirksam bei Gleichgewichts- und Gangstörungen. Eine beidseitige Pallidotomie kann kognitive Defizite verursachen, außerdem besteht das Risiko einer Begrenzung des Gesichtsfelds.
  • Thalamotomie – erfolgreich bei Tremor, bei beidseitiger Thalamotomie besteht jedoch ein hohes Risiko unerwünschter Auswirkungen auf Sprechen und Schlucken, was bei der Abwägung gegen den möglichen Nutzen ausreichend beachtet werden muss.
  • Chronische Tiefenhirnstimulation (tHS) – ähnliche Wirkung wie eine Thalamotomie, hat aber den Vorteil der Reversibilität, falls dies erforderlich ist. Die Wirkung ist zeitlich anpassbar, außerdem ist ein beidseitiger Eingriff möglich. Es liegen gute Langzeitdaten über die Herabsetzung von Tremor mit tHS in der VIM-Region vor. Mit tHS im Gpi-Nukleus können Dyskinesien, Akinesie und Rigor langfristig gemildert werden. tHS am subthalamischen Nukleus ist ein relativ neues Verfahren; es liegt jedoch ein Follow-up nach 10 Jahren von einigen PD-Patienten, die tHS erhielten, vor. Hiermit sind deutliche Anti-Parkinson-Wirkungen möglich, sodass die Medikamentendosis im Laufe der Zeit markant (ca. 50 %) herabgesetzt werden kann (The Deep Brain Stimulation for Parkinson’s Disease Study Group, 2001; Volkman et al., 2002).

Zukünftige Möglichkeiten

Alle derzeit verfügbaren Interventionen sind auf die Linderung der Symptome ausgerichtet. Verhinderung, Anhalten und gar Umkehr der PD-Progression sind jedoch Gegenstand intensiver Forschungsanstrengungen.

Neueste symptomatische Behandlungsformen
Diese herkömmlichen Medikamente haben unterschiedliche Ziele, wie:

  • Adenosin-A2A-Antagonisten
  • Opioid-Antagonisten
  • NMDA-Antagonisten

Neuroprotektionsmittel
Diese Mittel zielen darauf ab, den Zellenuntergang hauptsächlich mit pharmakologischen Mitteln, die die Apoptose hemmen, anzuhalten oder zu verlangsamen. Einige existierende PD-Medikamente sollen derartige Eigenschaften aufweisen, dafür liegen aber kaum Belege vor. Zu den neuesten Ansätzen gehören:

  • Cyclo-oxygenase-2-Hemmer
  • Neurotrophe Faktoren
  • Nichtimmunosuppressive Immunophiline

Zellimplantate
Ein Austausch von Neuronen durch die Transplantation von fötalen Zellen und Stammzellen wurde bereits klinisch mit unterschiedlichen Ergebnisse vorgenommen. Die Erfolge waren jedoch in einigen Fällen vielversprechend genug, um die Arbeit an der Verfeinerung und besseren Steuerung dieses Verfahrens zu rechtfertigen. Zu den Ansätzen, die derzeit untersucht werden, gehören immortalisierte Zelllinien und neuronale Vorläuferzellen.

Zellregeneration
Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Wachstumsfaktoren, die an der peri- und postnatalen Gehirnentwicklung beteiligt sind, auch im Erwachsenengehirn vorhanden, dort aber gehemmt sind. Derzeit werden sowohl Verfahren untersucht, die diese Hemmung aufheben, als auch solche, die die Wachstumsfaktoren ersetzen.

Gentherapie
Die mit dem Zellenuntergang im Zentralnervensystem verbundenen genetischen Veränderungen sind ein weiterer Ansatzpunkt zum Verhindern oder Aufhalten degenerativer Veränderungen. Hier konzentriert sich die Forschung auf ex-vivo-Verfahren mit autologen Zellen und in-vivo-Verfahren mit viralen Vektoren bzw. einem direkten DNA-Transfer über Plasmide.

 

 

 

 

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