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Morbus Parkinson

Komorbidität

Verhaltensstörungen und psychiatrische Störungen

Diese Probleme können einen Patienten wenigstens genauso behindern wie die motorischen Symptome des Morbus Parkinson morbus parkinson (PD). Die Störungen treten entweder infolge der Behandlung, als sekundäre PD-Symptome oder als komorbider Zustand auf. Ein erfolgreiches Management der verbundenen Probleme ist von der korrekten Identifizierung der zugrunde liegenden Ursachen abhängig.

Depression
Depression tritt häufig in Verbindung mit PD auf, 40–60 % aller PD-Patienten zeigen Depressionssymptome. Die Depression tritt in erster Linie in Verbindung mit "Off"-Phasen auf und bessert sich bei einer wirksamen Behandlung von PD.

Depressive PD-Patienten sprechen in der Regel genauso gut wie Patienten ohne PD auf eine herkömmliche Antidepressiva-Therapie an. Die neuen, nicht sedierenden selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) sind wahrscheinlich besser für Patienten mit anerger Depression geeignet; einige trizyklische Antidepressiva können in zu hohen Dosen gefährlich sein, ihre anticholinerge und kardiovaskuläre Wirkung kann bei älteren PD-Patienten zu Komplikationen führen. Amoxapin sollte PD-Patienten auf Grund des Risikos eines malignen neuroleptischen Syndroms infolge der Blockierung der Dopaminrezeptoren nicht gegeben werden.

Für PD-Patienten stehen mehrere wirksame SSRIs zur Verfügung. Trotz einiger Berichte über eine offenbare Verschlimmerung von PD-Symptomen sind die Beweise dafür, dass SSRIs ein besonderes Risiko für PD-Patienten darstellen, kaum überzeugend. Wie bei jeder Mehrfachmedikation müssen aber auch hier die pharmakokinetische, pharmakodynamische und pharmakologische Wirkung der Arzneimittel und ihre möglichen Wechselwirkungen sorgfältig beachtet werden.

Demenz
Mit PD verknüpfte Demenz wird bei bis zu 2 von 5 PD-Patienten beobachtet, bei PD mit frühem Krankheitsbeginn (EOPD) ist Demenz jedoch selten. Sowohl PD-assoziierte Demenz als auch die Alzheimer-Krankheit (AD) sind mit Gedächtnisverlust verbunden. Konzentrationsschwäche, fehlende Eigeninitiative und langsame Reaktionen sind bei PD-assoziierter Demenz jedoch sehr viel ausgeprägter als die klassischen kognitiven Defizite der AD: Aphasie, Apraxie und Agnosie.

Bei der Differenzialdiagnose von Demenz-Syndromen ist darauf zu achten, nicht nur reversible Ursachen auszuschließen, sondern auch andere Pathologien als PD und AD.

Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Symptomen höherer Gehirnfunktionen, die durch einen Dopaminmangel verursacht werden, und solchen, die mittels geeigneter Anti-Parkinson-Medikamente reversibel sind. Auf Levodopa reagierende Störungen im Frontallappen treten häufig auf, werden aber erst bei Irreversibilität als Demenz eingestuft.

Patienten mit Demenz infolge PD haben in der Regel eine negative Prognose, der geistige Verfall ist schneller, das Ansprechen auf Levodopa geringer und es treten mehr Komplikationen auf. Aus diesem Grund ist eine korrekte Diagnose wichtig.

Wenn eine Demenz infolge PD wahrscheinlich ist, darf der Patient keine Anticholinergika oder Arzneimittel mit anticholinerger Wirkung erhalten. Außerdem sollte die Levodopa-Dosis unter Berücksichtigung der großen Bedeutung einer optimalen Beherrschung der PD-Symptome so gering wie möglich gehalten werden. Bei einigen dementen PD-Patienten hat sich eine Behandlung mit Cholinesterase-Hemmer als wirksam erwiesen.

Halluzinationen und Psychosen
Hohe Tagesdosen Levodopa und die meisten anderen Anti-Parkinson-Medikamente sind mit einem erhöhten Halluzinationsrisiko verbunden. Arzneimittelkombinationen erhöhen das Risiko von Psychosen. Bei älteren dementen PD-Patienten und PD-Patienten mit psychiatrischen Problemen in der Vorgeschichte besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko von Psychosen.

Halluzinationen und Psychosen sind mit einer negativen Prognose verbunden, weswegen die zugrunde liegende Ursache nach Möglichkeit ermittelt werden sollte. Eine Senkung der Levodopa-Dosis sowie ein Absetzen von gleichzeitig verabreichten Anticholinergika sowie von Selegilin, Amantadin bzw. Dopaminagonisten sollte auch trotz einer wahrscheinlichen Verschlechterung der motorischen PD-Symptome erfolgen, um festzustellen, ob dies die Ursache ist.

In refraktären Fällen kann sich ein atypisches Antipsychotikum als wirksam erweisen, typische Antipsychotika verstärken jedoch die motorischen PD-Symptome. Clozapin und Quetiapin wurden beide erfolgreich eingesetzt; ersteres verlangt jedoch eine sorgfältige Beobachtung, da potenziell tödliche Blutdyskrasien und kardiale Reaktionen auftreten können.

Schlafstörungen schlafstörungen
Unterbrochener Schlaf ist ein häufiges Symptom und tritt oft im Frühstadium von PD auf. Weitere Probleme sind Alpträume oder sehr plastische Träume, Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und Tagesschläfrigkeit. Der unterbrochene Schlaf scheint eine Begleiterscheinung von PD zu sein, Alpträume bzw. plastische Träume jedoch Begleiterscheinungen der medikamentösen Behandlung und können die Vorläufer von Halluzinationen sein.

Hier sind, je nach Problem, Änderungen des Dosierschemas oder der Art der Arzneimittel hilfreich. So können ein Beruhigungsmittel mit kurzer Wirkdauer abends oder eine milde Stimulanz wie Kaffee nützlich sein. Wenn irgend möglich, sollten stärkere Stimulanzien vermieden werden.

 

 

 

 

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