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Angststörungen

Ätiologie

Angststörungen können von einer Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden. Dazu zählen Lebenskrisen, aber auch persönliche Charakterzüge. Insbesondere können starker Stress und ungeeignete Bewältigungsmechanismen zu Angstzuständen beitragen. Auch die Familiengeschichte und die Genetik können bei der Ätiologie von Angststörungen eine Rolle spielen.

Studien zeigen, dass Angststörungen mit bestimmten Bereichen des Gehirns verknüpft sind und dass ein Ungleichgewicht zwischen bestimmten, Angst steuernden Neurotransmittern im Gehirn wie Noradrenalin, Serotonin und Gammaaminobuttersäure (GABA) zu den Symptomen der Krankheit beitragen könnte.

Das prosencephalon Prosencephalon ist der Bereich, der bei Menschen mit Angststörungen besonders betroffen ist. Auch das limbische System, das an der Gedächtnisbildung und der Erzeugung von Emotionen beteiligt ist, spielt vermutlich eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung aller mit Angst verbundenen Informationen. Sowohl der Locus caeruleus locus caeruleus als auch der dorsale Raphekern projizieren in den septohippocampalen Schaltkreis, der wiederum Projektionen zu anderen Regionen des limbischen Systems bildet, die Angst steuern. Der Hippocampus hippocampus und das Corpus amygdaloideum corpus amygdaloideum spielen in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle, da sie miteinander verbunden sind und in Kerne des Subcortex und des Cortex projizieren. Interessanterweise scheint der Hippocampus bei manchen Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) kleiner zu sein. Dies liegt möglicherweise an der Degeneration der Dendriten dendriten in diesem Teil des Gehirns, die vermutlich von einer durch Stress hervorgerufenen Erhöhung der Glucocorticoidkonzentrationen ausgelöst wird.

Andere, an der Steuerung von Emotionen beteiligte Gehirnstrukturen wie der Hypothalamus hypothalamus sind möglicherweise ebenfalls in die Pathogenese von Angststörungen involviert. So zeigen Menschen mit Zwangsstörung (OCD) häufig eine erhöhte Aktivität in den Stammganglien stammganglien und insbesondere im Corpus striatum und anderen Bereichen des Frontallappens im Prosencephalon.

Serotonin-Hypothese

Die serotoninergen Systeme sind an der Steuerung von Angst beteiligt und so gut wie sicher in die Pathogenese von Angststörungen involviert. Die Rolle von Serotonin im Gehirn und insbesondere seine Funktion und sein Einfluss im synaptischen Spalt wurden zwar vielfach untersucht, doch vor allem im Krankheitszustand ist seine Funktion immer noch nicht vollständig geklärt (Fuller und Wong, 1997). Aber die Entdeckung, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), welche die von Serotonin gesteuerte Neurotransmission im Gehirn verstärken, zur Behandlung von affektiven und Angststörungen wirksam sind, hat zu der Hypothese geführt, dass wohl bei der Ätiologie dieser Störungen eine Serotonin-Funktionsstörung eine wichtige Rolle spielt.

Die Beobachtung, dass zumindest einige Antidepressiva wie die SSRIs Angstsymptome zu lindern scheinen, legt die Vermutung nahe, dass manche ätiopathologische Mechanismen sowohl bei Angststörungen als auch bei Depression in gleicher Art und Weise ablaufen (Boulenger et al., 1997). Dies wird durch Zwillingsstudien weiter belegt, die eine genetische Anfälligkeit sowohl für Angst als auch für Depression aufzeigten (Kendler et al., 1987, 1992). Die Entdeckung einer gemeinsamen biologischen Basis für Angststörungen und Depression würde die Behandlung dieser verwandten Störungen vereinfachen und verbessern (Stahl, 1997).

Es gibt verschiedene Theorien, bei denen die Funktion von Serotonin und seinen Rezeptoren an die Wirkung von Anxiolytika und Antidepressiva geknüpft ist. Eine pharmakologisch manipulierte Steigerung der Serotoninkonzentration im Gehirn verstärkt die Angst und eine Senkung des Serotoninspiegels wird mit einer Verringerung der Angst in Verbindung gebracht. Dies legt nahe, dass Angst von ungewöhnlich hohen Serotoninkonzentrationen verursacht wird und Depression von einem ungewöhnlich niedrigen Serotoninspiegel. Doch das ist zu einfach. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass sich Serotoninrezeptoren an die erhöhten Serotoninkonzentrationen anpassen und es zu einer Downregulation von inhibitorischen 5-HT1A-Rezeptoren kommt, durch die der Neuronenimpulsfluss übermäßig gesteigert wird (Stahl, 1997).

Zur Klärung der Frage, wie genau serotonerge Mechanismen an Angststörungen beteiligt sind, wurden Tiermodelle der Angst herangezogen (Sánchez, 1993). Der 5-HT2A/2C-Rezeptorantagonist Ritanserin, die partiellen 5-HT1A-Rezeptoragonisten Buspiron und Ipsapiron und die 5-HT3-Rezeptorantagonisten Zacoprid und Ondansetron haben alle in verschiedensten Tierversuchen eine anxiolytische Wirkung gezeigt (Sánchez, 1993). Außerdem linderte eine Erhöhung der Serotonin-Aktivität insgesamt mit dem SSRI Citalopram und dem die Serotonin-Freisetzung stimulierenden Wirkstoff Fenfluramin Angstsymptome bei Mäusen. Des Weiteren ist die Panik und Angst induzierende Wirkung von m-CPP, einem Serotoninrezeptor-Agonist, gut dokumentiert (Eriksson et al., 1991).

 

 

 

 

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